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Verhaltensprotokoll

NGD Care — Wissenschaftlicher Hintergrund zu Nahrungsergänzungsmitteln

Stress und Verhalten bei Tieren und Menschen:
HPA-Achse, Mikrobiom und Adaptogene

Wie chronischer Stress das Nervensystem, den Darm und das Immunsystem bei Hunden, Katzen und Menschen beeinflusst. Und wie Adaptogene, Pilze, CBD und Neurotransmitter-Vorläufer bei der Stressbewältigung zusammenarbeiten. Belegt durch Literatur.

Von Stefan Veenstra, DVM

Stress als physiologischer Zustand

Stress bei Hunden und Katzen ist kein rein verhaltensbedingtes Phänomen, sondern ein systemischer physiologischer Zustand. Die chronische Aktivierung des sympathischen Nervensystems über die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenachse (HPA-Achse) führt zu anhaltend erhöhten Cortisol- und Adrenalinspiegeln. [1] Dieser neuroendokrine Zustand hat direkte Folgen für das Magen-Darm-System, das Immunsystem und die Verhaltensregulation. Das geht weit über das Nervensystem selbst hinaus.

In der Tierarztpraxis zeigt sich chronischer Stress selten als isoliertes Verhaltensproblem. Häufiger sehen wir eine Kombination aus Verhaltensänderungen (Angst, Reizbarkeit, übermäßiges Bellen, zerstörerisches Verhalten), Darmbeschwerden (schwankender Stuhl, verminderter Appetit), Hautproblemen und verminderter Widerstand. Dies sind keine separaten Probleme, sondern Ausdruck derselben zugrunde liegenden systemischen Dysregulation.

Chronischer Stress hält den Körper in einem konstanten Zustand der Bereitschaft. Das parasympathische Nervensystem, das für Ruhe, Erholung und Verdauung verantwortlich ist, ist strukturell unterdrückt. Die Folgen reichen vom Darm über das Immunsystem bis hin zum Verhalten.

Die HPA-Achse: Physiologie der Stressreaktion

Die HPA-Achse ist der zentrale neuroendokrine Stressregulationsmechanismus. Bei einem Stressreiz sezerniert der Hypothalamus das Corticotropin-freisetzende Hormon (CRH), das die Hypophyse zur Produktion von ACTH anregt, das wiederum die Nebennierenrinde zur Ausschüttung von Cortisol anregt. [2] Cortisol bereitet den Körper auf die Stressreaktion durch Glukoneogenese, Immunmodulation und Unterdrückung des parasympathischen Nervensystems vor.

Bei akutem Stress ist dieser Mechanismus adaptiv und funktional. Chronische Aktivierung verursacht eine Dysregulation der HPA-Achse: Die negative Rückkopplungsschleife stört, der Cortisolspiegel bleibt strukturell erhöht oder schwankt unregelmäßig, und die Rezeptorsensitivität nimmt ab. [3] Dies führt zu einem Zustand chronischer sympathischer Dominanz, in dem das parasympathische Nervensystem, das für Ruhe, Verdauung und Erholung verantwortlich ist, strukturell unterdrückt wird.

Stress und der Darm: eine bidirektionale Achse

Die Darm-Hirn-Achse beschreibt die bidirektionale Kommunikation zwischen dem zentralen Nervensystem und dem enterischen Nervensystem über den Vagusnerv, das autonome Nervensystem, das endokrine System und das Mikrobiom. [4] Chronischer Stress stört diese Kommunikation auf mehreren Ebenen:

Verringerte MagensäureproduktionDie sympathische Aktivierung hemmt die Sekretion der parasympathischen Magensäure, was die Verdauung stört und pathogenes Überwuchern fördert.
Verzögerte DarmbeweglichkeitEine chronische Cortisolerhöhung verlangsamt den Darmtransit und erhöht die Wahrscheinlichkeit von bakterieller Überwucherung und Dysbiose.
Störung des MikrobiomsStress verringert die Vielfalt des Darmmikrobioms und reduziert die Fettproduktion in kurzer Kette, was die Darmbarriere und die lokale Immunfunktion schwächt. [5]
Erhöhte DarmdurchlässigkeitCortisol erhöht die Darmdurchlässigkeit durch eine enge Junction-Regulation, was die systemische Endotoxämie und die Immunaktivierung fördert.

Das Mikrobiom produziert etwa 90 % des Serotonins des Körpers, 50 % des Dopamins und erhebliche Mengen an GABA-Vorstufen. [6] Dysbiose durch chronischen Stress reduziert somit direkt die Verfügbarkeit von Neurotransmittern, die für die Verhaltensregulation und Stressresistenz unerlässlich sind. Das erklärt, warum chronische Verhaltensprobleme ohne Berücksichtigung des Darms selten nachhaltig werden.

Die vier Komponenten des Verhaltensprotokolls

Myco-Adaptogen-Komplex: adaptogene Pilze

Medizinische Pilze wie Reishi (Ganoderma lucidum), Löwenmähne (Hericium erinaceus) und Cordyceps besitzen adaptogene und immunmodulierende Eigenschaften, die zur Stressresistenz beitragen. Reishi moduliert die HPA-Achse durch Hemmung der Cortisolsekretion und hat angstlösende Effekte in Tiermodellen nachgewiesen. [7] Löwenmähne stimuliert die Produktion des Nervenwachstumsfaktors (NGF) und unterstützt die Neuroplastizität. Beta-Glukane aus den Pilzen wirken ebenfalls als Präbiotika und unterstützen direkt das Darmmikrobiom.

Liposomaler Adaptogenkomplex: Ashwagandha und Rhodiola

Ashwagandha (Withania somnifera) ist eines der am besten dokumentierten Adaptogene in der modernen Phytotherapie. Withanolide, die aktiven Verbindungen, modulieren die HPA-Achse durch Hemmung der Cortisolproduktion und senken stressbedingte Angstreaktionen in mehreren kontrollierten Studien bei Säugetieren. [8] Rhodiola rosea moduliert die serotonerge und dopaminerge Neurotransmission und verbessert die Resilienz bei chronischem Stress und Müdigkeit. [9] Die liposomale Formulierung verbessert die Bioverfügbarkeit beider fettlöslicher Wirkstoffe erheblich.

CBD-Öl: Endocannabinoid-System und Stressregulation

Das Endocannabinoid-System (ECS) spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation von Stressreaktion, Angst, Schmerzen und der Immunfunktion. CBD (Cannabidiol) moduliert das ECS durch die indirekte Aktivierung von CB1- und CB2-Rezeptoren und direkte Wirkung auf die Serotonin-5-HT1A-Rezeptoren. [10] Bei Hunden wurde CBD im Zusammenhang mit Arthrose-bedingten Schmerzen und Angstzuständen untersucht, mit positiven Ergebnissen in kontrollierten veterinärmedizinischen Studien. [11] Die Kombination von CBD mit PEA (vorhanden im zusätzlichen PEA-Komplex) erzeugt einen synergistischen Effekt durch den sogenannten Entourage-Effekt.

Entspannungsunterstützung: Neurotransmitter-Vorstufen und Nervenunterstützung

Relax Support liefert Magnesiumbisglycinat, L-Theanin, L-Tryptophan und Vitamin B6. Tryptophan ist der direkte Vorläufer von Serotonin und Melatonin, Vitamin B6 ist der wesentliche Kofaktor für die Umwandlung. Magnesium moduliert NMDA-Rezeptoren und hat eine indirekte anxiolytische Wirkung. L-Theanin erhöht die GABA- und Alpha-Gehirnwellenaktivität für eine beruhigende Wirkung ohne Sedierung. [12] Bei Hunden hat L-Theanin in kontrollierten Tierarztstudien eine signifikante Verbesserung der Angstwerte gezeigt. [13]

Die Leber in der chinesischen Medizin

In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) ist die Leber das Organ, das für den freien Fluss von Qi und die Regulation von Emotionen verantwortlich ist. Stress, Frustration und unterdrückte Emotionen lassen Lever-Qi stagnieren, was sich in Reizbarkeit, Aggression, Reaktivität, Verdauungsproblemen und Verspannungen äußern kann. Dieses Protokoll wirkt daher nicht nur physiologisch, sondern auch energetisch auf die Leberfunktion, was die breite klinische Anwendbarkeit erklärt.

Chronischer Stress und das Darmprotokoll

Bei chronischen Verhaltensproblemen ist der Darm fast immer ein relevanter Punkt. Die anhaltende sympathische Aktivierung unterdrückt strukturell die Darmfunktion, was zu Dysbiose, Leaky-Gut-Syndrom, verminderter Neurotransmitterproduktion und systemischer niedriggradiger Entzündung führt, die die Stressreaktion weiter verstärkt. Ohne Wiederherstellung des Mikrobioms und der Darmbarriere bleibt die Darm-Hirn-Achse gestört und Verhaltensinterventionen sind weniger wirksam.

Anwendungsbereich des Verhaltenskodex

Situationsbedingter Stress bei Feuerwerk, Umzügen, neuen Mitbewohnern oder Veränderungen in der täglichen Struktur. Chronische Angst, Reizbarkeit, Reaktivität, Aggression. Verhaltensprobleme mit der Darmkomponente: kombiniert mit dem Darmprotokoll. Stressbedingte Schlafprobleme und verminderte Erholungsfähigkeit. Zusätzlich zu Verhaltenstherapie und Umweltanpassungen. Eine weitere Vertiefung ist mit Blütenessenzen und ätherischen Ölen aus der NGD Care-Reihe für emotionales und energetisches Gleichgewicht möglich.

Schlussfolgerung

Das NGD Care Behavioral Protocol behandelt chronischen Stress auf vier Ebenen gleichzeitig: die HPA-Achse und die Cortisolregulation über Adaptogene, Immun- und Darmfunktion über medizinische Pilze, die Endocannabinoid-Stressmodulation durch CBD und die Neurotransmittersynthese über Relax Support. Die Kombination ist klinisch weit anwendbar.

Im Fall chronischer Verhaltensprobleme ist das Darmprotokoll die notwendige Grundlage. Immer als Teil eines integralen Protokolls zu verwenden, vorzugsweise in Beratung mit einem (integrativen) Tierarzt oder Verhaltenstherapeuten.

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Literatur

  1. Chrousos Hausarzt. Stress und Störungen des Stresssystems. Nat Rev Endocrinol. 2009; 5(7):374–381.
  2. Tsigos C, Chrousos GP. Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse, neuroendokrine Faktoren und Stress. J Psychosom Res. 2002; 53(4):865–871.
  3. McEwen BS. Gestresst oder gestresst: Was ist der Unterschied? J Psychiatrie Neurowissenschaften. 2005; 30(5):315–318.
  4. Cryan JF, O’Riordan KJ, Cowan CSM u. a. Die Mikrobiota-Darm-Gehirn-Achse. Physiol Rev. 2019; 99(4):1877–2013.
  5. Bailey MT, Dowd SE, Galley JD u. a. Die Exposition gegenüber einem sozialen Stressfaktor verändert die Struktur der Darmmikrobiota. Gehirn verhält sich immun. 2011; 25(3):397–407.
  6. Yano JM, Yu K, Donaldson GP und andere. Indigene Bakterien aus der Darmmikrobiota regulieren die Serotonin-Biosynthese des Wirts. Zelle. 2015; 161(2):264–276.
  7. Matsuzaki H, Shimizu Y, Iwata N, et al. Antidepressivaähnliche Wirkung eines wasserlöslichen Extrakts aus dem Kulturmedium von Ganoderma lucidum-Myzel bei Ratten. BMC Komplement Altern Med. 2013;13:370.
  8. Chandrasekhar K, Kapoor J, Anishetty S. Eine prospektive, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie zur Sicherheit und Wirksamkeit eines hochkonzentrierten Vollspektrum-Extrakts der Ashwagandha-Wurzel. Indische J Psychol Med. 2012; 34(3):255–262.
  9. Darbinyan V, Kteyan A, Panossian A, et al. Rhodiola rosea bei stressbedingter Erschöpfung: eine doppelblinde Crossover-Studie eines standardisierten Extrakts. Phytomedizin. 2000; 7(5):365–371.
  10. Blessing EM, Steenkamp MM, Manzanares J, Marmar CR. Cannabidiol als mögliche Behandlung für Angststörungen. Neurotherapeutika. 2015; 12(4):825–836.
  11. Gamble LJ, Boesch JM, Frye CW u. a. Pharmakokinetik, Sicherheit und klinische Wirksamkeit der Cannabidiol-Behandlung bei osteoarthritischen Hunden. Front-Veterinär-Wissenschaftler. 2018;5:165.
  12. Nobre AC, Rao A, Owen GN. L-Theanin, ein natürlicher Bestandteil im Tee, und seine Wirkung auf den Geisteszustand. Asia Pac J Clin Nutr. 2008; 17(Anleitung 1):167–168.
  13. Pike, AL, Horwitz, DF, Lobprise, H. Eine offene, prospektive Studie zur Verwendung von L-Theanin (Anxitane) bei sturmempfindlichen, kundengeführten Hunden. J Vet Benehmen. 2015; 10(4):324–331.

Diese Informationen sind lehrreicher Natur und basieren auf verfügbarer wissenschaftlicher Literatur. Die genannten Studien sind nicht immer direkt veterinärmedizinisch oder spezifisch für die hier beschriebene Formulierung. Dieser Text ersetzt keine tierärztliche Beratung und enthält keine therapeutischen Ansprüche.

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